Menu
Menü
X

Nachlese zum musikalischen Gottesdienst

Nach dem musikalischen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum mit der Altmünsterkantorei hier der Predigtimpuls von Pfr. Maskus zur singenden Reformation noch einmal zu Nachlesen:

Predigt im kirchenmusikalischen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum

Im Namen Gottes, der da ist der da war und der da kommt! AMEN

Sie singen wieder

Sie singen auf den Straßen und zu Hause

Sie singen wieder

Am Morgen und am Abend

Sie singen wieder und das ist noch schlimmer:

In der Kirche

 

Vor 500 Jahren

als die Reformation in den Wehen lag,

da begann es:

Da fing das Volk in der Kirche an zu singen,

da waren es nicht mehr Priester und Chorherren,

da begann das einfach Volk -

und jeder wie er es in der Sprache, die er sprach, verstand -

zu singen:

Von seinem Glauben und seinen Hoffnungen

da sangen Sie plötzlich nicht mehr gregorianisch und Latein

sondern so

wie sie auch im Alltag sprachen

 

Und das kam so:

 

Da war der Dr. Martinus in Wittenberg,

der hatte ihnen nicht nur die Bibel in ihrer Sprache geschenkt,

oder besser: der hatte ihnen mit der Bibel auch eine gemeinsame Sprache geschenkt

nein, der hat ihnen auch Mut gemacht von ihrem Glauben zu singen!

So wie ihnen der Schnabel gewachsen war:

der hatte Lieder gedichtet aus den Psalmen,

der sang vom Himmel hoch an Weihnachten

und Christ ist erstanden an Ostern

der sang von der Festen Burg und machte ihnen Mut

und rief die liebe Christeng’mein zur Freude auf,

der gab ihnen bekannte Melodien mit neuem Text und einfache Melodien,

die man sofort mitsang

der sang selbst gerne und zwar fröhlich

und sagte dazu;

Aus einem trüben Arsch, kommt kein froher Furz!

 

Und er liess sie frohe Glaubenslieder singen,

denn Schluss mit dem Griesgram auf Erden:

Christ ist erstanden -

Jesus lebt, sagen wir heute -

und da gibt es keine Traurigkeiten mehr

die sind alle überwunden für uns am Kreuz

davon lasst uns singen

in den Kirchen und beim Tagwerk

wenn ich morgens aufstehen und wenn ich mich zur Ruhe lege

 

Singen sollen sie, die Christen

und viele taten es und der Dr. Martinuns und seine Kollegen, dichteten stets Neues für sie

Eine Bewegnung ging durch das Land

und neben vielen Flugschriften

von der Freiheit und wie man sein Leben führen soll

waren es vielleicht fast mehr die Lieder, die der Reformation den Weg bahnten!

 

Und so froh das klingt,

so war es nicht immer:

Mit „ein feste Burg“ sprengten sie die Messe,

sangen den Priester nieder

und auch auf den Straßen wurde es geschmettert,

- so geschehen in Schweinfurt anno 1532 -

woraufhin die Statt evangelisch wurde.

 

In Hildesheim verbot der Bischof 1531 das Singen der Protestanten,

um die Stadt vor dem Übel wie er dachte zu bewahren

Lieder als Kampflieder

Wie die Fangesänge im Stadion und den Arenen der Welt

Welch schöneres und fröhlicheres Antlitz kann der Glaube haben

als singende Menschen,

die wissen, dass sie aus tiefer Not ebenso rufen können zum treuen Gott

und mit ihrem Gesang alle Teufel und Schwarmgeister bannen

wem wird da nicht österlich zu Mute

wer vermag sich dem zu entziehen?

 

Sie singen wieder

Sie singen auf den Straßen und zu Hause

Sie singen wieder Am Morgen und am Abend

Sie singen wieder

und das ist noch schlimmer:

In der Kirche

 

Die Wittenbergische Nachtigall wurde der Dr. Martinus deswegen genannt

von Hans Sachs, dem Nürnberger Schuster und Meistersinger

und der musste es ja wissen,

und der Dr. Martinus war es, der nicht nur den Gottesdienst dann auf deutsch zelebrierte,

sondern der ihnen auch die passende Musik dazu schenkte:

Lieder, die man lernte und seinem Glauben damit eine Sprache gab

der das Glaubensbekenntnis singen lies

denn so lernte sich der Text leichter

der die Musik nutzte um die Worte in die Seele gelangen zu lassen

 

Er war nicht der erste, der das tat, der Dr. Martinuns,

denn nicht umsonst verbot das Konzil in Basel 1435 das Singen in Landessprache im Gottesdienst

es gab ja eine Meßfeier und so sollte es bleiben.

Aber Konzil hin oder Konzil her

was die Kirche so bislang gelehrt hatte, das übernahm der Dr. Martinus ja nie ungefragt

und so sah er in der Bibel Mose und Salomo und andere singen

und los gings: I

hr sollt singen denn das gefällt Gott besonders mehr als das trockene einfache Wort

 

Sie singen wieder

Sie singen auf den Straßen und zu Hause

Sie singen wieder

Am Morgen und am Abend

Sie singen wieder

und das ist noch schlimmer:

In der Kirche

 

Und was der Dr. Martinuns damals anstieß

das war zeitlebens das Markenzeichen der Protestanten:

Die Musik so unterschiedlich wie der Glaube, den sie feierten

Meisterwerke der Musik entstanden und wir hören sie

– oft Jahrhunderte alt noch heute mit Faszination

und längst haben wir Schweinfurt hinter uns gelassen:

auch andere haben das Singen entdeckt

wir singen zusammen mit anderen Konfessionen

haben gesehen wie ansteckend das sein kann

und aus wie vielen Kehlen Gott nicht genug zu loben ist!

 

Seit 500 Jahren singende Protestaten

und das ist ein Grund zu feiern und wie anders als mit MUSIK!

AMEN


top