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A broken Hallelujah!

Gedanken zu Leonard Cohens Hallelujah (Predigt 2.6.19 / Hendrik Maskus) Projektchor Crossover singt das Cohen Hallelujah in einer Version von Daniel Rumpf

I

There is no God in heaven

There is no hell below

So says the great professor

of all there is to know

But I’ve had the invitation

that a sinner can’t refuse

It’s almost like salvation

It’s almost like the blues

Es gibt keinen Gott im Himmel

Es gibt keine Hölle unten

So sagt der große Professor

von allem, was wir wissen

Aber ich habe eine Einladung

die ein Sünder nicht ausschlagen kann

Es ist wie Rettung

es ist wie der BLUES

Ein Leben lang ist Leonard Cohen ein Suchender

1934 in Montreal geboren

beginnt er früh zu schreiben

die Musik ist eher Nebensache

doch mit seinen ersten Songs wird er in den 60ern bekannt

Suzanne…. Eine Frau….

Was sonst? - könnte man sagen

Und immer wieder tauchen auch religiöse Motive auf

seine jüdische Tradition

die Suche nach Gott

die Suche nach Sinn

was ist Liebe

Sehnsüchtig

melancholisch

it’s almost like the Blues,

es ist wie der Blues

sagt er viele Jahre später

fast sein Leben resümierend

II

Schweren Mutes,

aber doch mutvoll

melancholisch,

aber nicht ohne den rettenden Humor

ein Suchender

bei den Begegnungen auf der Straße

und in den Schriften der Religionen

bei den Philosophen

und immer wieder in der Liebe

so sucht er in den Scherben

und der Zerrissenheit der Welt

nach Halt und Trost

und dem, was andere so leichtfertig Gott nennen

In den Trümmern des Lebens

und in der Welt

sucht er die Spur zum besseren Leben

gibt er nicht auf auf eine bessere Welt zu hoffen

gegen alle Erfahrung und

ernüchtert lobt er den gelungenen Moment

Grund genug weiter auf der Suche zu sein

Längst zum Poeten und Propheten einer ganzen Generation geworden

entzieht er sich aber dem Kult und Rummel immer wieder gekonnt

doch seine tiefen

schweren

teils archaischen Melodien

machen ihn zu einem der prägendsten Stimmen der Musik des 20. Jahrhunderts

mit unüberbietbarem Stil und Charme

sammelt er Menschen,

die an seinen Lippen und Versen kleben

it’s almost like the Blues,

es ist wie der Blues

er verkörpert das Lebensgefühl

des Unvollkommen,

des Fragments

des ewig Suchenden

wie kein anderer!

Und dann scheint die Stimme verstummt:

in den 90ern meditiert er

wird Zen Mönch

er schreibt

und kehrt noch immer als Suchender

dem Kloster nach mehreren Jahren den Rücken

und betritt erneut die Bühnen der Welt

mit neuen Songs

vielleicht geläutert oder weiser

aber noch immer ein Suchender

III

Inzwischen hat Halleluja,....

(das wir eben gesungen haben

- in einem ganz wunderbar feinfühligen Satz von Daniel Rumpf – DANKE!! -)

Inzwischen hat Halleluja,

das es in unzähligen Versionen gibt

von welchen aber nur ganz wenige der Intention Cohens gerecht werden

die Radiostationen, Castingshows und Kirchen erobert

Cohen wäre nicht Cohen

wenn trotz eines leicht hymnischen Refrains

das broken Halleluja

das gebrochene Halleluja

seine Lebensmelodie wäre!

Da ist David, der biblische Harfenspieler und König,

der das Halleluja singt:

durch das Begehren einer Frau, Batseba,

die er auf dem Dach beim Baden beobachtet

zu der er in Liebe entbrennt

sie in den Palast holen lässt

ihren Mann heimtückisch tötet

und sich so fast um Thron und Macht bringen lässt

… so ist es im Leben, das weiß Cohen

bleibt das broken Halleluja

das gebrochene

das Lob Gottes aus den Irrungen des Lebens

selbst Davids starker Glaube

geprüft - und als unvollkommen erkannt

Wie David so wir alle

I did my best, it wasn't much

I couldn't feel, so I tried to touch

I've told the truth, I didn't come to fool you

And even though

It all went wrong

I'll stand before the Lord of Song

With nothing on my tongue but Hallelujah

Ich tat mein Bestes, viel war es nicht

Fühlen konnte ich nicht, aber Berühren

es ist wahr: Ich wollte dich nicht täuschen

Und auch, wenn alles schief ging

werde ich vor dem Herrn der Lieder stehen

mit nichts auf meinen Lippen als Halleluja!

Im Scheitern im Leben

was bleibt als das Halleluja

das Lob des Gottes

der es gut meint mit uns

den wir scheinbar betrügen

und immer wieder unser eigenes Leben

in Scherben finden.

Was bleibt uns als ein Halleluja

der vorsichtige Vers der Hoffnung im Dunkel

wenn immer mal ein Funken der Liebe

zu glimmen beginnt

Was bleibt als das Halleluja in seiner Brüchigkeit

als die Antwort des Menschen

an die Einladung eines Gottes an die Welt

die Welt der Suchenden und Gescheiterten

der Sünder und von Gott oft Fernen

But I’ve had the invitation

that a sinner can’t refuse

It’s almost like salvation

It’s almost like the blues

Aber ich habe eine Einladung

die ein Sünder nicht ausschlagen kann

Es ist wie Rettung

es ist wie der BLUES

Und immer wieder die Liebe

auch in Halleluja

aber weniger die verklärte romantische Liebe

sondern die,

die sich in den dunklen Ecken

den Abgründen

und Bruchstücken findet:

Da ist so etwas wie die Spur des Hallelujas

des kalten und gebrochenen

aber doch des Lob Gottes

aus den Winkeln der Welt

aus den gescheiterten Liebesversuchen

Liebe führt uns nicht einfach so zu Gott

aber vielleicht ist sie trotz allem

eine Spur zu ihm

oder aber: Die Spur zu ihm

Maybe there's a God above

But all I've ever learned from love

Was how to shoot somebody who outdrew ya

And it's not a cry that you hear at night

It's not somebody who's seen the light

It's a cold and it's a broken Hallelujah

Vielleicht ist da ein Gott oben

Aber alles,

was ich in der Liebe gelernt habe

ist wie man jemanden erschießt,

der dich betrügt

und das ist kein Weinen,

das du nachts hörst

es ist nicht einer, der das Licht sieht

es ist ein kaltes und gebrochenes Halleluja

IV

Broken Halleluja

gebrochenes Halleluja

in den Brüchen und Scherben der Welt

in den Fragmenten unseres Lebens

nicht zu verzagen

weiter zu suchen

zu leben

zu lieben

immer wieder

das war Leonard Cohen

gegen das Scheitern schrieb er an

schmiedet Verse

komponiert

sucht den Kontakt zu Menschen auf den Bühnen

bleibt der Partisan der Liebe

wunderbar Mut machend

wie der Partisan auf unwegsamen

vielleicht verlorenem Posten

den Kampf doch NIE verloren gibt

Zwei Wochen vor seinem Tod

erscheint seine letzte Platte 2016

ein tiefgründiges schweres Vermächtnis

tiefreligiös

voller broken Halleluja

er singt das Kaddisch für sich selbst

das jüdische Totengebet

bereit dem zu begegnen,

wen oder was er immer gesucht hat

Hinneni, my Lord

Hier bin ich, mein Herr

breit zu gehen

mutvoll und stark

weiss er doch

das er nicht den Weg ins Leere antritt:

Ring the bell

ring the bell

Forget your perfect offering:

There is a crack in evrything

That's how the light gets in

Läute die Glocke

Läute die Glocke

Vergiss deine perfekten Angebote

da ist ein Riss in jedem Ding

so fällt das Licht hinein!

Das Fragment

ist vielleicht unvollkommen

wie unser Leben

wie unser Lieben

wie unsere Welt

und gerade die Risse und Brüche sind es

die das Licht in diese Dunkelheiten einladen

damit es hell wird!

There is a crack in evrything

That's how the light gets in

da ist ein Riss in jedem Ding

so fällt das Licht hinein!

AMEN


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