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Impuls zu Fronleichnam

Impuls zum Evensong zum Nachlesen

Nach dem ökumenischen Kirchentag und am Vorabend von Fonleichnam drängt sich das Thema ja praktisch auf, aber ich gebe zu, ob ich da etwas zu dem katholischsten aller Feiertag sagen kann und erst recht, ob ich das sollte, bin ich mir nicht so sicher.

Impuls zu Fronleichnam

Kinder lernen schnell, dass Besuch etwas Aufregendes und Schönes ist.

Da gelten ab und zu andere Gepflogenheiten als zu Hause

„Oma darf das“

und nicht immer schmeckt es so wie bei Muttern.

Und gerade das ist ja auch der Grund Andere zu besuchen, man lernt Neues kennen,

erfährt dabei auch viel über sich selbst

und pflegt Gemeinschaft und Freundschaften,

weil sie wichtig fürs Leben sind.

(Das merken wir in diesem letzten Jahr so sehr!)

Und Kinder lernen bereits auch,

dass man für eine Einladung dankbar ist

und nicht mäkelig sein soll,

wenn es woanders eben mal anders ist.

Nach dem ökumenischen. Kirchentag

und am Vorabend von Fonleichnam

drängt sich das Thema ja praktisch auf,

aber ich gebe zu, ob ich da etwas zu dem katholischsten aller Feiertag sagen kann

und erst recht, ob ich das sollte,

bin ich mir nicht so sicher.

Ich entführe sie ins frühe 13 Jahrhundert in die Nähe von Lüttich, wo eine junge Frau, Juliana als 5 Jährige Waise aus vermögendem Haus ins Kloster kommt.

Juliana wächst im Kloster heran

und ihr liebster Ort war die Kapelle

und dort der Tabernakel,

sie verbringt dort viel Zeit,

versunken im Gebet.

Zum zentralen Ereignis ihres Lebens wurde eine Vision im Jahr 1209,

die sich später mehrfach wiederholte:

Ins Gebet versunken,

sah sie die Mondscheibe mit einem kleinen schwarzen Fleck darauf - ein seltenes Himmelsphänomen.

Nach Gesprächen mit Theologen deutete Juliana ihre Erscheinung schließlich als Weisung Christi:

Der Mond stehe für das Kirchenjahr,

der Fleck aber für das Fehlen eines Festes zur Verehrung der heiligen Hostie.

Über Jahrzehnte behielt Juliana dies für sich.

Als sie schließlich 1230 zur Oberin ihres Klosters gewählt wurde,

erntete sie mit ihrer Vision Spott und Widerspruch.

War es aufgrund dieser "religiösen Schwärmerei" oder aufgrund ihres strengen Führungsstils,

dass man sie aus ihrem Konvent vertrieb?

Doch die Idee eines solchen Festes wurde schnell populär, denn in der Messe feierte der Priester hinter dem Lettner die Eucharistie und die Gemeinde durfte weder teilnehmen noch sah sie das Geschehen.

Als Jakob von Troyes, Erzdiakon in Lüttich, Beichtvater und einer der wenigen Vertrauten Julianas dann zum Papst gewählt wurde, erhob er als Urban IV. das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" 1264, sechs Jahre nach ihrem Tod,

zum allgemeinen Kirchenfest.

Juliana von Lüttich wurde später heiliggesprochen

und ist mir dem Fest untrennbar verbunden.

Bald schon gab es erste Prozessionen mit der Monstranz durch die Straßen,

um den Leib Christi den Gläubigen zu zeigen.

Fronleichnam ist damit ein Fest,

das weder einen biblischen Ursprung hat

noch ein heidnisches Fest umdeutet oder adaptiert, sondern entstammt der visionären Frömmigkeit einer mutigen Frau.

Ich verstehe daran:

In einer mittelalterlichen Welt voller Mystik und einer blühenden Volksfrömmigkeit,

einer Welt, in der alles Volk zur Kirche gehörte

und es ein außerhalb der Kirche nicht gab

und das auch nicht vorstellbar schien,

in der sich aber Priester und Laien in der Messe kaum begegneten, weil der Lettner den Altarbereich als ein Sichtschutz abtrennte vom Volk,

und auch noch mit dem Rücken zur Gemeinde

auf Latein zelebriert wurde

wurde an dem Fest nicht nur die geweihte Hostie dem Volk in der Öffentlichkeit gezeigt, sondern auch ein wenig dem Besitz der Priesterschaft entzogen.

Das verstehe ich gut.

Ich frage mich aber heute,

rund 750 Jahre später, in einer völlig anderen, multireligiösen und entkirchlichten Öffentlichkeit welche Verstehenshilfen eine solche Prozession anbieten kann,

was nicht katholisch geerdete Menschen da sehen oder erleben.

Ich verstehe daran:

Kein geringerer als Thomas von Aquin,

der bedeutendste Theologe des Mittelalters,

hat für die Fronleichnamsmesse Teile der Liturgie verfasst.

Dabei verbindet er Menschwerdung und die Perspektive der Ewigkeit auf besondere Weise in der Eucharistie:

„Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht,

ich bitte, dass geschehe, wonach ich so dürste:

dass ich dein enthülltes Angesicht schaue

und selig bin im Anblick deiner Herrlichkeit“

Der Anblick der Hostie bei der Prozession erinnert mich und verweist mich auf die Ewigkeit:

Einst werden meine Augen den schauen,

der sich uns in Brot und Wein schenkt,

wenn wir seiner Einladung folgen.

Das verstehe ich gut.

Ich frage mich aber heute,

im Blick auf ein gemeinsames Mahl:

Dass wir dann alle gemeinsam an seinem Tisch sitzen, das mag uns heute noch Hoffnung sein,

das erleben wir, wenn wir uns gegenseitig die Einladung zusprechen, wenn wir hören:

Kommt her, empfangt das Brot des Lebens!

Wenn die Hostie für alle sichtbar in der Prozession gezeigt wird,

aber die Einladung nicht an alle ergeht,

sehe ich dann aber doch,

dass das Zeigen dann kein Zeichen der Versöhnung, sondern eher der Ausgrenzung ist.

Früher gab es kein außerhalb der Kirche,

wenn die Prozession durch die Stadt ging,

aber heute

bei nicht mal 1/3 Katholik*innen in Mainz?

Das ist zwar nicht beabsichtigt

aber Realität und das ist schade.

Die Diskussion über eine gegenseitige Einladung zu Abendmahl und Eucharistie und die Frage,

was da gefeiert wird

und wie es zu verstehen ist,

hatte im Kontext des ÖKT schon im Vorfeld  besondere Bedeutung bekommen:

Dabei ist es wichtig und richtig,

dass die Dogmatik als Wissenschaft das Tun der Kirche kritisch begleitet.

ch ich frage mich ehrlich,

ob die Suche nach einer einheitlichen Deutung des Abendmahlsgeschehens in unseren spätmodernen Tagen nicht ein wenig aus der Zeit gefallen ist,

wo sonst haben wir noch genau übereinstimmende Vorstellungen in der Lehre?

Einmal ganz abgesehen von der Pluralität der Deutungen, was Feiernde dabei erfahren und erleben!

Ich verstehe daran:

Am Ursprung des Fronleichnamsfestes sehe ich:

Die Frömmigkeit der Juliana aus dem 13. Jhr ist mir fremd: Sie schloss sich nach der Vertreibung aus ihrem Kloster in einem anderen Kloster mehrere Jahre ein, wurde nur durch ein kleines Fenster in der Zellentür versorgt: Völlig auf sich gestellt wollte sie sich ganz dem Gebet hingeben – jahrelang als Eingemauerte auf eigenen Wunsch.

Und doch sind wir verbunden mit ihr

und all den anderen im Teilen von Brot und Wein

im Sakrament, das uns Heil schenkt

Das verstehe ich wohl.

Ich frage mich aber heute:,

Wir folgen demselben Ruf Jesu wie Juliana

auch wenn wir unseren Glauben anderes leben als sie

und unsere Welt so wenig mit der damals zu tun hat.

Und ich erkenne staunend:

Wir feiern heute noch ihr Fest

Wenn wir Brot und Wein teilen

über alle Zeiten hinweg, durch alle Welten hindurch.

Ich erkenne; es ist eben genau immer wieder die Aufgabe jeder Zeit, diesen Ruf Jesu an seinen Tisch neu zu deuten,

und Auftrag jeder Zeit das Evangelium neu zu sagen,

weil die Welt anders ist

(das gilt für verschiedenen Zeiten und auch für verschiedenen Orte in der Welt in unseren Tagen)

daher mag auch das Evangelium einen anderen Zungenschlag bekommen.

Wir können uns also nicht vor der Aufgabe drücken und einfach altes übernehmen,

- das wäre ja ein bloßes Nachspielen- ,

sondern wir müssen immer neu erklären,

was da uns zum Heil passiert,

dann sollten wir doch erkennen

wie die verschiedenen Dialekte der Interpretation

uns bereichern und unseren Horizont weiten

dann sehen wir in der Tradition,

was Juliana in ihrem Glauben damals wichtig war

wie Thomas im Brot die Ewigkeit sieht

und wie wir heute das gleiche Sakrament feiern.

Wer sich von Jesus Christus eingeladen weiß

und die Gastfreundschaft annimmt,

überwindet gerade darin alle Grenzen, Spannungen und Kleinkariertheit.

Das gemeinsam am Tisch zu feiern ist mir dabei wichtiger als in der Rolle des Türstehers entschieden zu wollen, wen ich als eingeladen sehe und wen nicht.

Ich verstehe daran:

Dass in diesem Brot das Heil der Welt liegt

das kann in der Fronleichnamsprozession seinen Ausdruck des Glaubens finden,

aber es bedarf m.E. auch wie Thomas es damals tat der Worte, die aus dem Brot mehr machen als das, was unsere Augen heute bei seinem Anblick darin sehen. (Das ist das Wesen des Sakraments: Dass das Wort zum Element kommt und das Sakrament entsteht).

Das verstehe ich wohl.

Ich frage mich aber heute:

warum wir uns immer noch so schwer tun uns einzuladen:

Von oberster Kirchenebene kommt das Misstrauen,

aber ich erlebe doch an der Basis,

wo Vertrauen wächst,

wo an der Ökumene gebaut wird,

wo man die anderen kennt,

dass das Zeichen des gewachsenen Vertrauens nicht die Trennung am Tisch sein kann,

sondern wie die gegenseitige Einladung den Horizont weitet:

> Wie das Kind beim Besuch lernt

> wo wir in die Schuhe der Tradition treten und diese neu deuten und weitertragen.

Wenn wir dem Einladung Jesu Christi folgen

der als unser Herr Gastgeber ist,

um sich uns selbst zu schenken

und so unser Bruder zu werden,

dann erfahren die, die sich einladen lassen, Gemeinschaft am Tisch,

dann schmecken sie in Brot und Wein die Vergebung und Überwindung ihrer Trennung von Gott

und erkennen in der Tischgemeinschaft,

die niemanden ausschließt,

den Hinweis auf Gottes Reich schon im Hier und Jetzt

Wenn ich nun mit Evangelischen Augen (Gibt’s die?) auf Fronleichnam schaue,

dann wäre die gewandelte Hostie

nicht unbedingt mein Zeichen, um der Welt zu zeigen,

worin ihr Heil besteht,|

aber dann wäre der Ruf Jesu und die Einladung aller an seinen Tisch der Ruf in die Welt: Werdet Geschwister am Tisch Jesu und lasst euch versöhnen mit Gott!“    

AMEN


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